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Artikel: Brennnessel fürs Pferd – unscheinbares Wildkraut mit erstaunlichem Inhalt

Brennnessel fürs Pferd – unscheinbares Wildkraut mit erstaunlichem Inhalt

Brennnessel fürs Pferd – unscheinbares Wildkraut mit erstaunlichem Inhalt

Sie brennt, wächst beinahe überall und wird oft als Unkraut bekämpft. Dabei gehört die Brennnessel zu den traditionsreichsten heimischen Kräutern – und hat auch in der Pferdefütterung einiges zu bieten.

Die Brennnessel: viel mehr als lästiges Unkraut

Fast jeder kennt sie. Sie wächst an Wegrändern, auf Wiesen, an Waldrändern und gerne dort, wo der Boden besonders nährstoffreich ist. Und spätestens nach der ersten unbeabsichtigten Berührung vergisst man sie so schnell nicht wieder.

Die Große Brennnessel (Urtica dioica) ist in weiten Teilen Europas heimisch, kommt darüber hinaus aber auch in Asien und Nordafrika vor. Seit Jahrhunderten wird sie sowohl als Nahrungsmittel als auch in der traditionellen Pflanzenheilkunde verwendet.

Ihren schlechten Ruf als „Unkraut“ hat sie deshalb eigentlich nicht verdient. Denn hinter den wehrhaften Brennhaaren verbirgt sich eine Pflanze mit einem bemerkenswert breiten Spektrum natürlicher Inhaltsstoffe.

Gerade für Pferde ist sie interessant, weil sie traditionell besonders mit Stoffwechsel und Ausscheidung in Verbindung gebracht wird.

Was steckt in der Brennnessel?

Bei der Brennnessel werden unterschiedliche Pflanzenteile genutzt. In der Pferdefütterung begegnen uns vor allem das getrocknete Kraut beziehungsweise die Blätter.

Diese enthalten unter anderem Flavonoide wie Quercetin-, Kaempferol- und Isorhamnetin-Verbindungen sowie verschiedene Mineralstoffe. Auch Kieselsäure beziehungsweise Silikate, Chlorophyll und verschiedene phenolische Verbindungen gehören zum natürlichen Inhaltsstoffspektrum der Pflanze. Die Zusammensetzung schwankt selbstverständlich mit Standort, Erntezeitpunkt und Verarbeitung.

Gerade diese Mischung macht deutlich, warum wir Kräuter nicht auf einen einzelnen „Wirkstoff“ reduzieren sollten. Eine Pflanze ist kein isolierter Wirkstoffträger, sondern eine komplexe natürliche Matrix aus vielen verschiedenen Pflanzenstoffen.

Die wichtigsten Inhaltsstoffgruppen auf einen Blick

Flavonoide:
Hierzu zählen unter anderem Verbindungen von Quercetin und Kaempferol. Flavonoide gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen und werden unter anderem wegen ihrer antioxidativen Eigenschaften erforscht.

Mineralstoffe:
Brennnesselkraut kann vergleichsweise mineralstoffreich sein. Beschrieben werden unter anderem Calcium, Kalium, Magnesium, Eisen und Silizium. Die tatsächlichen Gehalte können allerdings erheblich variieren – Brennnessel ersetzt deshalb kein bedarfsgerecht zusammengestelltes Mineralfutter.

Kieselsäure/Silikate:
Sie gehören ebenfalls zu den charakteristischen Bestandteilen der Brennnesselblätter und sind einer der Gründe, weshalb Brennnessel traditionell auch im Zusammenhang mit Haut und Haar verwendet wird.

Gerbstoffe und weitere sekundäre Pflanzenstoffe:
Sie vervollständigen das breite natürliche Inhaltsstoffprofil der Pflanze.

Wofür wird Brennnessel traditionell verwendet?

Hier wird es für die Pferdefütterung besonders interessant.

Die Brennnessel gehört traditionell zu den Pflanzen, die zur Förderung der Harnausscheidung und Unterstützung der ableitenden Harnwege verwendet werden. Die europäische Arzneimittelbewertung führt Brennnesselkraut außerdem im Zusammenhang mit Schmerzen und Entzündungen sowie Haut und kleineren Wunden. Das sind humanmedizinische traditionelle Anwendungsgebiete und lassen sich nicht einfach als Behandlungsaussage auf Pferde übertragen – sie zeigen aber sehr schön, wie breit die traditionelle Nutzung dieser Pflanze ist.

Auch entzündungsmodulierende und antioxidative Eigenschaften verschiedener Brennnessel-Inhaltsstoffe beziehungsweise -Extrakte sind Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen.

Und genau hier ist eine wichtige Unterscheidung nötig:

Traditionelle Kräuterkunde ist nicht dasselbe wie der Nachweis einer therapeutischen Wirkung beim Pferd.

Das bedeutet aber umgekehrt nicht, dass wir jahrhundertelange Pflanzenkunde ignorieren müssen. Entscheidend ist, sauber zu benennen, was traditionell genutzt wird, welche Inhaltsstoffe bekannt sind und was davon für die Fütterung eines Pferdes sinnvoll abgeleitet werden kann.

Was bedeutet das für das Pferd?

In der Pferdefütterung wird Brennnessel besonders gerne in Zeiten eingesetzt, in denen der Organismus ohnehin einiges zu leisten hat.

Dazu gehört beispielsweise der Fellwechsel im Frühjahr und Herbst. Der Aufbau eines neuen Haarkleides verändert den Nährstoffbedarf zwar nicht plötzlich dramatisch, dennoch laufen zahlreiche Stoffwechselprozesse parallel ab. Eine insgesamt bedarfsgerechte Versorgung bleibt deshalb die Grundlage.

Brennnessel kann hier als Bestandteil einer abwechslungsreichen Kräuterfütterung interessant sein.

Traditionell wird sie beim Pferd vor allem eingesetzt zur:

  • Unterstützung von Stoffwechsel und natürlicher Ausscheidung
  • ernährungsphysiologischen Begleitung von Niere und Harnwegen
  • Versorgung mit natürlichen sekundären Pflanzenstoffen
  • Begleitung während des Fellwechsels
  • traditionellen Unterstützung von Haut und Fell

Gerade der Begriff „Entgiftung“ fällt in diesem Zusammenhang häufig. Wir verwenden ihn bewusst zurückhaltend.

Denn ein gesundes Pferd braucht keine regelmäßige „Detox-Kur“, um irgendwelche mysteriösen Schlacken loszuwerden. Leber und Nieren sind ständig damit beschäftigt, Stoffwechselprodukte umzubauen beziehungsweise auszuscheiden.

Kräuter wie die Brennnessel ersetzen diese Organe nicht und „reinigen“ das Pferd nicht. Ihre traditionelle Verwendung zielt vielmehr darauf ab, natürliche Ausscheidungsprozesse zu begleiten.

Das ist weniger spektakulär als ein Detox-Versprechen – aber fachlich wesentlich sinnvoller.

Frisch oder getrocknet – dürfen Pferde Brennnesseln fressen?

Wer Pferde beobachtet, kennt vielleicht ein interessantes Verhalten: Eine frisch stehende Brennnessel wird häufig verschmäht. Ist sie dagegen abgemäht und etwas angewelkt, sieht die Sache plötzlich ganz anders aus.

Der Grund sind die Brennhaare der Pflanze. Sie enthalten unter anderem kleine Mengen Histamin, Acetylcholin und Serotonin. Bei Berührung brechen die feinen Spitzen ab und können den bekannten brennenden Hautreiz verursachen.

Durch Welken und Trocknen verliert dieser Mechanismus weitgehend seine unangenehme Wirkung. Für die gezielte Fütterung wird Brennnessel deshalb üblicherweise getrocknet und geschnitten angeboten.

Mehr hilft nicht automatisch mehr.

Das ist uns bei der Kräuterfütterung besonders wichtig. Nur weil eine Pflanze natürlich ist, muss sie nicht unbegrenzt oder dauerhaft gefüttert werden. Kräuter enthalten biologisch aktive Pflanzenstoffe – genau deshalb interessieren wir uns schließlich für sie.

Wir bevorzugen daher einen gezielten Einsatz passend zum Pferd, zur Ration und zur jeweiligen Situation, statt das ganze Jahr über möglichst viele Kräuter gleichzeitig in den Trog zu geben.

Bei bestehenden Erkrankungen, eingeschränkter Nierenfunktion, Medikamentengabe, tragenden oder laktierenden Stuten sowie anderen besonderen gesundheitlichen Situationen sollte die Kräuterfütterung vorher individuell abgeklärt werden.

Unser Fazit: ein heimisches Kraftpaket, das oft unterschätzt wird

Die Brennnessel muss nicht exotisch sein, um spannend zu sein.

Sie wächst direkt vor unserer Haustür und vereint Mineralstoffe mit einer ganzen Reihe sekundärer Pflanzenstoffe. Ihre lange traditionelle Verwendung rund um Ausscheidung, Stoffwechsel, Haut und Bewegungsapparat macht sie zu einer der interessantesten heimischen Pflanzen für die Kräuterfütterung. Die EMA führt Brennnesselkraut entsprechend in mehreren traditionellen Anwendungsbereichen.

Für uns passt sie damit ziemlich gut zu einem Grundsatz, der sich durch die NATURANIMA-Fütterungsphilosophie zieht:

Nicht möglichst viel. Sondern so natürlich wie möglich – und so gezielt wie nötig.

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