Artikel: Sommerekzem beim Pferd | Ursachen, Symptome, Behandlung & ganzheitliche Unterstützung

Sommerekzem beim Pferd | Ursachen, Symptome, Behandlung & ganzheitliche Unterstützung
Das Sommerekzem gehört zu den häufigsten und belastendsten Hauterkrankungen beim Pferd. Für betroffene Pferde bedeutet es oft monatelangen starken Juckreiz, offene Hautstellen und erheblichen Stress. Für Besitzer wird der Sommer schnell zur täglichen Herausforderung aus Deckenmanagement, Insektenschutz und Hautpflege.
In diesem umfassenden Guide erfährst du wissenschaftlich fundiert:
- was Sommerekzem wirklich ist
- warum manche Pferde besonders gefährdet sind
- wie du erste Symptome erkennst
- welche Maßnahmen wirklich helfen
- und wie du dein Pferd ganzheitlich unterstützen kannst
Was ist Sommerekzem beim Pferd?
Das Sommerekzem – auch „Insect Bite Hypersensitivity“ (IBH) oder „Sweet Itch“ genannt – ist eine allergische Hauterkrankung. Ausgelöst wird sie vor allem durch den Speichel bestimmter stechender Insekten, insbesondere von Gnitzen der Gattung Culicoides.
Dabei handelt es sich um eine überschießende Reaktion des Immunsystems auf die Eiweiße im Insektenspeichel. Wissenschaftlich wird Sommerekzem überwiegend als Typ-I-Allergie (IgE-vermittelt) eingeordnet. Zusätzlich können verzögerte Immunreaktionen vom Typ IV beteiligt sein.
Die Erkrankung tritt saisonal auf – typischerweise vom Frühjahr bis in den Herbst hinein – und verschwindet im Winter oft weitgehend, solange keine Insekten aktiv sind.
Warum bekommen manche Pferde Sommerekzem?
Die Entstehung ist multifaktoriell. Entscheidend sind vor allem:
1. Allergische Veranlagung
Nicht jedes Pferd reagiert allergisch auf Insektenstiche. Es gibt eine genetische Prädisposition, also eine erbliche Neigung zur Allergieentwicklung.
Besonders häufig betroffen sind:
- Islandpferde
- Friesen
- Haflinger
- Norweger
- robuste Ponyrassen
Vor allem importierte Islandpferde zeigen ein erhöhtes Risiko. Studien berichten teils von Erkrankungsraten bis zu 50–70 % bei aus Island exportierten Pferden.
Der Grund: In Island kommen bestimmte Culicoides-Arten kaum oder gar nicht vor. Das Immunsystem der Pferde wurde dort nie an die Allergene „gewöhnt“. Nach dem Import reagieren viele Tiere besonders stark.
2. Insektenbelastung
Feuchte Gebiete, stehende Gewässer, windstille Weiden und warme Temperaturen fördern die Vermehrung von Gnitzen massiv.
Besonders aktiv sind die Insekten:
- morgens
- abends
- bei hoher Luftfeuchtigkeit
- in windstillen Bereichen
In höheren Regionen tritt Sommerekzem häufig seltener auf, weil dort weniger Gnitzen vorkommen.
3. Immunsystem & Hautbarriere
Ein geschwächtes Immunsystem, Stoffwechselprobleme oder eine gestörte Hautbarriere können die Symptome zusätzlich verstärken.
Auch wenn Sommerekzem primär eine Allergie ist, zeigt die Praxis oft:
Pferde mit dauerhaftem Stress, unausgewogener Fütterung oder hoher Entzündungsbelastung reagieren häufig deutlich empfindlicher.
Typische Symptome von Sommerekzem
Das Leitsymptom ist extremer Juckreiz.
Betroffene Pferde scheuern sich oft intensiv an:
- Zäunen
- Bäumen
- Wänden
- Tränken
- Stallkanten
Dadurch entstehen schnell Hautverletzungen.
Häufig betroffene Körperstellen
Typisch sind:
- Mähnenkamm
- Schweifrübe
- Bauchnaht
- Widerrist
- Kopf & Ohren
Frühe Anzeichen
Die ersten Symptome werden oft übersehen:
- kleine Knötchen oder Pusteln
- leichtes Scheuern
- Unruhe auf der Weide
- Schweifschlagen
- empfindliche Haut
Je früher gehandelt wird, desto besser lässt sich der Verlauf kontrollieren.
Fortgeschrittene Symptome
Ohne Behandlung können entstehen:
- kahle Stellen
- offene Wunden
- Krustenbildung
- nässende Ekzeme
- verdickte Haut
- bakterielle Sekundärinfektionen
- starke Unruhe und Gewichtsverlust
In schweren Fällen scheuern sich Pferde regelrecht blutig.
Ist Sommerekzem heilbar?
Aktuell gilt Sommerekzem als nicht vollständig heilbar, aber häufig gut kontrollierbar.
Das Ziel der Behandlung ist:
- Juckreiz reduzieren
- Insektenstiche minimieren
- Entzündungen kontrollieren
- Hautbarriere stärken
- Lebensqualität verbessern
Je früher ein konsequentes Management beginnt, desto besser sind die Chancen auf symptomarme Sommer.
Die wichtigsten Maßnahmen gegen Sommerekzem
1. Konsequenter Insektenschutz
Der wichtigste Baustein überhaupt.
Ekzemerdecke
Eine hochwertige Ekzemerdecke kann die Symptome oft massiv reduzieren.
Wichtig:
- engmaschiges Material
- vollständiger Schutz von Hals, Bauch und Schweif
- gute Passform
- tägliche Kontrolle
Die Decke sollte bereits VOR der ersten starken Insektenaktivität angezogen werden – idealerweise früh im Frühjahr.
2. Weidemanagement optimieren
Hilfreich sind:
- Weidegang eher tagsüber statt morgens/abends
- windige Flächen
- Vermeidung von stehenden Gewässern
- Offenstallbereiche mit Ventilation
- Insektenfallen
- Fliegenschutz im Stall
Gnitzen sind schlechte Flieger – Wind hilft oft erstaunlich gut.
3. Hautpflege & Wundmanagement
Die Haut braucht intensive Unterstützung.
Sinnvoll sind:
- beruhigende Pflegeprodukte
- entzündungshemmende Salben
- sanfte Reinigung
- Schutz vor Austrocknung
Wichtig:
Aggressive oder stark austrocknende Produkte verschlechtern die Hautbarriere oft zusätzlich.
Empfehlen kann ich Euch hier die Produkte von Bense & Eicke sowie unsere Hautfein Produkte.
Ernährung bei Sommerekzem
Fütterung allein heilt kein Sommerekzem. Dennoch kann sie das Immunsystem und die Hautgesundheit deutlich beeinflussen.
Sinnvolle Fütterungsansätze
Omega-3-Fettsäuren
Omega-3 kann entzündungshemmende Prozesse unterstützen.
Geeignete Quellen:
- Leinöl
- Leinsamen
- Algenöl
Zink, Kupfer & Schwefelverbindungen
Diese Nährstoffe spielen eine wichtige Rolle für:
- Hautregeneration
- Fellbildung
- Immunfunktion
Mängel können Hautprobleme verschärfen.
Zuckerarme Fütterung
Viele Ekzemer profitieren von:
- wenig Zucker
- wenig Stärke
- hochwertigem Raufutter
- stabiler Darmgesundheit
Übergewicht und Stoffwechselstress erhöhen häufig die allgemeine Entzündungsbelastung.
Natürliche Unterstützung bei Sommerekzem
Viele Pferdehalter setzen ergänzend auf naturheilkundliche Ansätze.
Dazu gehören beispielsweise:
- Kräuter zur Hautunterstützung
- darmfreundliche Fütterung
- essentielle Fettsäuren
- pflanzliche Hautpflege
- Unterstützung der Hautbarriere
Wichtig:
Natürliche Maßnahmen ersetzen kein konsequentes Insektenmanagement – sie können jedoch sinnvoll ergänzen.
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Medikamente & tierärztliche Therapie
In schweren Fällen kann eine tierärztliche Behandlung notwendig werden.
Kortison
Kortikosteroide wirken oft schnell gegen Juckreiz und Entzündung.
Allerdings bestehen Risiken:
- Stoffwechselbelastung
- Immunsuppression
- Hufrehe-Risiko bei empfindlichen Pferden
Deshalb sollten sie nur gezielt und tierärztlich begleitet eingesetzt werden.
Häufige Fehler beim Sommerekzem
Zu spät beginnen
Viele Besitzer reagieren erst, wenn das Pferd bereits massiv scheuert.
Dann ist die Haut oft schon stark entzündet.
Früher Schutz ist entscheidend.
Nur Symptome behandeln
Salben allein reichen nicht.
Ohne innerliche Unterstützung wird das Problem meist immer wieder aufflammen.
Dauerhaftes Waschen
Zu häufiges Shampoonieren zerstört oft die natürliche Hautbarriere.
Fütterung ignorieren
Auch wenn Futter nicht die Ursache ist, beeinflusst es Entzündungsprozesse und Hautgesundheit erheblich.
Kann Sommerekzem schlimmer werden?
Ja. Ohne konsequentes Management verschlimmern sich die Symptome häufig von Jahr zu Jahr.
Denn:
Das Immunsystem „merkt“ sich Allergene. Wiederholter Kontakt kann stärkere Reaktionen auslösen.
Deshalb lohnt sich ein frühzeitiges, langfristiges Management.
Fazit: Sommerekzem ganzheitlich verstehen
Sommerekzem ist keine „harmlose Hautreizung“, sondern eine ernstzunehmende allergische Erkrankung.
Die wichtigste Erkenntnis:
Es gibt selten die eine Wunderlösung.
Erfolgreiches Ekzemmanagement basiert fast immer auf mehreren Bausteinen:
- konsequenter Insektenschutz
- gutes Weidemanagement
- Hautpflege
- angepasste Fütterung
- Unterstützung des Immunsystems & Stoffwechsels
- tierärztliche Begleitung bei schweren Fällen
Mit einem frühzeitigen und durchdachten Management können viele Pferde dennoch weitgehend beschwerdefrei durch den Sommer kommen.
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Wissenschaftliche Quellen & weiterführende Literatur
- Veterinärmedizinische Universität Wien – Insect Bite Hypersensitivity beim Pferd
- Tierärztliche Hochschule Hannover – Das Sommerekzem des Pferdes
- Freie Universität Berlin – Genetik & Ätiologie des Sommerekzems
- Studien zu Immuntherapien bei Sommerekzem
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